Wenn das Ende ein Anfang ist, ist jeder Anfang das Ende?

Verfasst am Montag, 21. Jun 2010

Manche Dinge finden ein Ende, während andere erst beginnen. Andere werden beendet, noch bevor sie überhaupt angefangen haben. Und immer, wenn irgendetwas sich dem Schlusslicht seiner Existenz nähert, hört man die wohlgemeinte Binsenwahrheit “Das Ende ist nur der Anfang”. Was genau soll das denn bedeuten? Und vor allem: Wenn das Ende tatsächlich nur der Anfang ist, ist dann nicht jeder Anfang das Ende?

Sagen wir mal etwas hat aufgehört zu sein, sei es ein Lebensabschnitt, ein besonderer Abend oder das Lieblingslebewesen. Nun sollte ein neuer Anfang folgen. Aber was genau soll denn anfangen, wenn etwas endet? Der Morgen? Nee, das ist ein neuer Tag. So trennen wir das doch auch im Abreißkalender. Immer hübsch ein Blättchen für jedes einzelne Datum. Wenn der Kanarienvogel plötzlich (oder eventuell weniger plötzlich) tot umfällt – was genau, außer dem Verwesungsprozess, fängt da bitte an? Das Vögelchen denkt nicht mal dran sich in ein neues zu verwandeln. Bei den Lebensabschnitten mach ich gar nicht erst weiter, da ich mich generell sehr erfolgreich dagegen wehre, mein Leben in irgendwelche Teilabschnitte zu unterteilen. Ich hab nur eins und das muss ich nicht in zig Teilleben zergliedern, nur damit irgendjemand denkt, die eingangs genannte Binsenwahrheit würde Sinn ergeben. Mein Leben hat an sich einen Anfangs- und einen Endpunkt, aber wenn ich ins Gras beiße, während ich die Löffel über den Jordan schaffe, um sie dort abzugeben, passiert nichts. Überhaupt nichts. Außer, dass eben eine Ära zu Ende geht. Da fängt vielleicht nur meine Abdankungsfeierlichkeit an, aber die markiert auch nur mein Existenzende und auch sie wird enden, ohne irgendwelche Anfänge zu provozieren.

Ich weiß natürlich, dass man sich nicht so stur an einzelnen Wörtern festbeißen soll. Und mir ist durchaus bewusst, was da gesagt werden soll – von wegen ‘Kopf hoch, das wird bei weitem nicht das Letzte sein, was du verkacken wirst”. Aber mich nervt das. Ich will sowas nicht hören. Genauso wenig wie ich so einen Kram wie “Das wird schon wieder!” hören will. Das weiß ich alles auch allein und abgesehen davon denke ich, dass es eh mehr Sinn macht, alles als einen fließenden Übergang zu sehen. Ich könnte heute zum Beispiel nicht sagen, wann meine Kindheit zur Pubertät mutiert ist. Ich bin quasi aus den Windeln in die Akne geflossen, ohne jegliche Markierungspunkte überschritten zu haben. Und so schnell, wie die Zeit vergeht, habe ich überhaupt keine Lust solche irgendwo auszumachen und mir dann zu denken: “Aha, jetzt schon kein Teenager mehr. Man, man, wenn das so weitergeht, bin ich auch bald kein Twen mehr und schneller unter den Radieschen, als irgendwer bei Frohe Ernte seine Felder beackern kann.”

Nee, ich finde das alles generell doof und deprimierend. Und überhaupt gibts bei mir keine Enden und Anfänge ab heute. Ich fließe durch den Übergang von befruchteter Eizelle hin zum Rattenfutter und dabei von einer Episode in die nächste, aber sie alle sind durch mich verbunden und ich mit anderen. So teilen wir eine unendliche Geschichte, keen Ende und keen Anfang in Sicht. Ist das nicht hübsch naiv und optimistisch? Ich bleib dabei. Immer noch besser als jeden Furz gesondert zu betrachten und sich dabei in irgendwelchen Redundanzen zu verstricken.

Über mich

Mein Name ist Alex und ich verfasse hier originelle Beiträge zum Werte-verfall. Mehr über mich erfährst du hier. Solltest du mir irgendetwas mitteilen wollen, dann kannst du dies gern hier tun. Viel Spaß!

Ohrwurm



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karottensaft

22. Juni 2010 um 20:01
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1

:unhappy:
Ach Mensch…. Für Dich gilt mal wieder das gleiche, das Du mir stets in schwierigen Zeiten angeboten hast. Ich bin für Dich da, wann und wie Du magst!

Zu den Lebensabschnitten fiel mir gerade noch folgendes ein: Beim Gedanken an die schönen Zeiten, versuche diese doch einmal in Hundejahren zu rechnen. So wirken diese gleich noch stärker und schöner und trösten vielleicht ein wenig über die schlechten Zeiten hinweg, die Du lieber mit der Eintagsfliege [http://www.youtube.com/watch?v=oa_sPSS4Gfs] vergleichen solltest!

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Alex Storm

22. Juni 2010 um 21:25
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2

pupsi, wenn ich anfange irgendwas in hundejahren zu rechnen, kriege ich ganz sicher depressionen :D

aber die eintagsfliege ist cool *g*

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audiske

23. Juni 2010 um 21:13
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3

Zum Thema Anfang und Ende:

Das Ende ist nur der Anfang., meint einen unaufhörlichen Kreislauf in unser aller Leben. :) Aus jedem Ende entsteht nämlich, so schmerzlich und unerträglich es auch ist, ob es der Verlust des Jobs, einer Liebe oder eines wichtigen Menschen ist, ein neuer Anfang. Ich habe es selbst schon oft erlebt, dass ich nach einem Ende in ein tiefes Loch gefallen bin, nur um danach mehr aus mir zu machen. Ich denke nicht, dass man sein Leben in Abschnitte teilen sollte, doch aber in Erinnerungen, die einen prägen und formen. Warum sonst ist es so, dass zum Beispiel viele Menschen sich nach dem Bruch einer Beziehung verändern, oder nach Jahren in ein und dem selben Job beruflich in eine neue Richtung stapfen? Ist doch eigentlich logisch, nicht wahr? Wenn etwas endet, verändern sich die bisherigen Gegebenheiten. Ganz einfach. Demzufolge entsteht etwas, das vorher nicht so war. Bei mir lösten die Enden eher positive Veränderungen aus, auch wenn sie im Moment des Geschehens grausam waren. :nothing_to_say: :exciting:

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Alex Storm

25. Juni 2010 um 13:43
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4

ich finde, wir haben alle irgendwie recht :big_smile: